Überlegungen zu Workshops

Inhalt und Ziel der Workshops, die wir im Museum Zollhaus begleitend zu den laufenden Ausstellungen für Kinder und Jugendliche abhalten, ist, diesen über das Arbeiten unmittelbar mit Künstlern und den Materialien mit denen sich auch diese beschäftigen, ein breiteres Verständnis für Kunstschaffen zu geben und damit einen Zugang zur Kunst bzw. ein toleranteres Verhältnis Kunstwerken gegenüber zu erreichen. Erhebt allein die Bezeichnung Kunstwerk ein Objekt in einen besonderen Stand, der es in gewisser Weise entmaterialisiert ja mystifiziert, so sollte die tätige Beschäftigung mit den Materialien aus denen das Kunstwerk besteht, das Gegenteil bewirken. Mehr noch – und dies ist das eigentliche Ziel dieser Workshops – über das Arbeiten mit dem Material, dem kennen lernen verschiedener Bearbeitungstechniken, einen Zugang zum Variationsreichtum der künstlerischen Formensprache und Ausdrucksmöglichkeit zu erlangen.

Durch das Weglassen oder Hinzufügen einzelner Teile verändern sich Formen, entsteht Neues. Kommt einem eine gefundene Lösung als besonders gelungen vor und man würde am liebsten genau dabei bleiben, so erfährt man, z.B. bei der Bildhauerei, dass durch das Auseinanderschneiden und auf den Kopf stellen, eben dieses Teils, ein völlig neues, anfangs vielleicht nicht ganz so griffiges Objekt entstanden ist, wie das Ausgangsprodukt. Findet das Neue Akzeptanz, so besitzt man möglicherweise auch die Freiheit eine nochmalige Abänderung anzuerkennen. Trotzdem bedeutet dies nicht, dass jegliche Möglichkeit als individuell ästhetische Lösung in Frage kommt. Ausschlaggebend ist einzig die eigene Vorstellungskraft bzw. die Toleranz im eigenen Formenverständnis.

Gerade Kinder und Jugendliche eignen sich besonders gut dafür, denn ihre Formvorstellungen sind noch nicht so festgelegt wie bei Erwachsenen. Sie lassen Vieles zu, was der erwachsene Mensch mangels geeigneter Sinn- oder Formzuweisung missachtet. Allerdings zeigt sich schnell, dass auch und gerade Jugendliche trotz ihrer altersbedingten Offenheit und formalen Flexibilität, dezidierte ästhetische Vorstellungen besitzen. Es zeigt weiter, dass durch das nachhaltige Beschäftigen mit ästhetischen Problemstellungen die eigene Selektierfähigkeit ge-schärfter und trotz des breiter werdenden ästhetischen Lösungsfundamentes das letztendlich entstandene Objekt entschiedener verteidigt wird. Mit der Kunst ist es eben wie mit allen anderen Dingen mit denen man sich intensiver auseinandersetzt: Je mehr man darüber weiß und je länger man sich damit beschäftigt, desto sicherer wird man da-rin.

Eisen und Stahl z.B. sind schwer. Diese Erfahrung macht man im Besonderen, wenn man damit umgeht. Die Betrachtung des fertigen Kunstwerks vermittelt einem oftmals das Gegenteil. Auch das Wissen um die technischen Voraussetzungen zum Umgang und zur Materialbearbeitung erweitern den Horizont des Betrachters und können dazu führen, das Kunstwerke ja die Kunstrichtung an sich mit anderen Augen zu sehen.

Das Entstehen von Objekten sollte nicht zwangsläufiges Ziel des Workshops sein. Vielmehr sollte es darum gehen, den Beteiligten den Umgang mit den Materialien sowie den Einsatz der Werkzeuge näher zu bringen. Da dies die Voraussetzung bildet für die mannigfaltigen Möglichkeiten der Materialgestaltung und -verwendung und damit die Grundlage für eine variationsreiche Formfindung darstellen. Über die Erfahrung der Materialbearbeitung und der Komplexität der Formensprache wird sich der visuelle Horizont des potentiellen Kunstbetrachters erweitern.

Kunst und gerade Bildhauerkunst ist in den meisten Fällen verbunden mit technischem Verständnis und der Fähigkeit zu technischen Lösungen. Erst der Einsatz ausgereifter handwerklichen Fertigkeiten und Fähigkeiten er-möglichen die Realisierung bestimmter Kunstwerke. Gerade bei größeren Bildhauerarbeiten im Außenraum sind komplexeste technische Problemstellungen zu meistern von denen der Kunstbetrachter regelmäßig nur wenig ahnt.

Der begleitende Lehrkörper, z.B. bei Schulgruppen, sollte ausschließlich Aufsichtsfunktionen erfüllen um eine direkte Zusammenarbeit zwischen den Workshopteilnehmern und dem oder den Künstlern zu gewährleisten. Durch das unmittelbare Zusammenwirken zwischen den Künstlern und den jugendlichen Teilnehmern erfolgt eine intensive Wissensvermittlung um formale Ausdrucksmöglichkeiten. Denn wer, wenn nicht die Künstler selbst, sind dazu am Besten in der Lage.

 

Aktivitäten rund ums Museum

Als Begleitprogramm zur 1. Ausstellung wurden in 2006 Workshops für Kinder und Jugendliche mit den Bildhauern Hartmut Stielow (Hannover) und Klaus Duschat (Berlin) organisiert. An den Veranstaltungen beteiligten sich das Gymnasium Braunau, die Volksschule Simbach am Inn sowie die Internatsschule Schloß Stein.

Nach einem einleitenden Rundgang mit dem Künstler durch die Ausstellungsräume, sowie einer kurzen Einführung in die Möglichkeiten ästhetischen Gestaltens mit Metallteilen vom Schrottplatz, begannen die Jugendlichen, sich mit den ca. 1,5 Tonnen Metallschrott, der als Basis für den Workshop vorbereitet wurde, auseinander zu setzen. Nach Einweisung und mit der entsprechenden Schutzkleidung ausgerüstet, sowie unter Aufsicht durch die Künstler, konnte gesägt, gehämmert, gefeilt, gebohrt, geschliffen und nach Lust und Laune sogar geschweißt werden.

Die Bildhauer sahen ihre Aufgabe darin, zum einen den Jugendlichen technische Hilfe bei der Umsetzung ihrer gestalterischen Vorstellungen zu geben und zum andern Denkanstöße zur künstlerischen Konzeption der Objekte zu vermitteln. Sowohl Buben-Gruppen als auch jedes der Mädchen bauten eigene Skulpturen. Nach Beendigung des Workshops durften die Kunstwerke mit nach Hause genommen werden bzw. wurden im Schulhof aufgestellt.

2007 musste der Workshop mit dem Eisenbildhauer Hannes Meinhard wegen einer Fuß-verletzung des Künstlers kurzfristig abgesagt werden. Der Maler Max Kaminski, der gemeinsam mit Meinhard 2007 ausstellte, hielt die Workshops planmäßig ab. Teilnehmer waren: Die Volksschule Simbach, das Gymnasium Simbach und die Volksschule Prienbach.

Nach einführendem Rundgang durch die Ausstellungsräume mit Max Kaminski, begannen die Kinder und Jugendlichen in Gruppen oder einzeln, nach dem Thema „Wie sehe ich meine Familie“, Collagen anzufertigen. Mitgebrachte Fotos und Erinnerungsstücke, Ausschnitte aus Zeitungen und Zeitschriften, Farben, Klebebänder und sonstiges Arbeitsmaterial wurde dafür verwendet. Zum Schluss der Veranstaltungen wurden die Beteiligten gebeten ihre Arbeiten vorzustellen.

In den letzten Jahren konnte leider kein Künstler für einen Workshop gewonnen werden.

 

Bildergalerien der bisherigen Rückschauen/Workshops

Rückschau zur 1.Ausstellung mit dem Maler Walter Montel und dem Bildhauer Hartmut Stielow

Rückschau zur 2.Ausstellung mit dem Maler Max Kaminski und dem Bildhauer Hannes Meinhard

Rückschau zur 3.Ausstellung mit dem Maler Gerd van Dülmen und dem Bildhauer Harald Klingelhöller

Rückschau zur 4.Ausstellung konkret, konstruktiv und bunt

Rückschau zur 5.Ausstellung mit Antonio Calderara und andere

Rückschau zur 6.Ausstellung mit Manfred Hebenstreit und Michael Zwingmann

Rückschau zur 7.Ausstellung mit Stefan Kern und HAMA Lohrmann

Workshop mit den Bildhauern Hartmut Stielow und Klaus Duschat

Workshop mit Max Kaminski